Eventuell ist es einigen von euch schon aufgefallen. In den letzten Wochen hat sich einiges auf unserer Website und in anderen Bereichen unserer Kommunikation (z.B. auf Instagram und im Laden) geändert. Hashtags wie 'fair', 'organic' oder 'nachhaltig' sind weitestgehend verschwunden. Das liegt nicht daran, dass wir unsere Grundsätze über Bord geworfen hätten, und ist auch nicht ganz freiwillig. Wir setzen in diesem Fall einfach eine die EmpCo Richtlinie der EU um, die am 27.09.2026 auch in Deutschland in Kraft tritt und auch für Mode gilt.
WTF is EmpCo?
Diese neue Richtlinie nennt sich EmpCo-Richtlinie - oder in Behördensprache Richtlinie (EU) 2024/825 (EmpCo). Das steht für 'Empowering Consumers' und knapp zusammengefasst könnte man die Verordnung als Anti-Greenwashing-Richtlinie bezeichnen.
Verboten sind jetzt unbelegte Umweltbehauptungen oder verklausulierte Kommunikationspraktiken stoppen. Alle, die Produkte oder Dienstleistungen in der EU auf den Markt bringen, müssen nun Nachweise für Umweltaussagen erbringen. Sehr allgemeine Begriffe wie 'umweltfreundlich' oder 'nachhaltig' können jetzt als irreführend gekten. Es sind nur noch konkrete und belegbare Aussagen erlaubt- also zum Beispiel 'aus 100% Baumwolle (GOTS-zertifiziert)' oder 'hergestellt in der EU'. Darunter fallen auch unternehmenseigene Fake-Siegel oder pseudo-Zertifizierungen, die suggerieren, dass etwas besonders 'öko' oder 'sozial' ist.
Und was heißt das für zündstoff?
Um das klar zu stellen: Wir finden die neue Verordnung grundsätzlich sehr gut. Denn nun kann keine große Kette mehr eine Kollektion unter Namen wie 'Conscious Fashion' oder 'Green Wardrobe' herausbringen, wenn sie nicht belegen kann, wieso die Kollektion besonders nachhaltig ist. Kein Stromkonzern, der vor allem Atom- und Kohlekraftwerke betreibt, darf noch Werbung mit Windrädern auf der Startseite machen. (Ja, so weit geht das wahrscheinlich wirklich...).
'Fair Fashion', 'Nachhaltige Mode', 'Öko': Diese Begriffe werden weniger
Andererseits zwingt diese Rechtslage auch uns, nur noch belegbare Aussagen zu treffen und unsere Kommunikation - wie oben erwähnt - anzupassen. Im Prinzip ist das kein Problem, denn an unserem Sortiment hat sich ja nichts geändert. Statttatt 'nachhaltige Jeans' schreiben wir jetzt einfach: 'Jeans aus Bauwolle, GOTS-zertifiziert, genäht in Tunesien' - liest sich halt etwas sperriger.
Schwierig ist folgendes - und da wird es auch für euch interessant: Wir können nun zahlreiche etablierte Suchbegriffe wie 'Fair Fashion', 'Fair Trade Jeans', 'nachhaltige Mode' oder 'Eco-Fashion' nicht mehr so einfach bedienen. Und wer sucht schon nach 'T-Shirts aus 100% Baumwolle (kbA)'? Folglich müssen nicht nur wir unsere Kommunikation ändern, sondern auch ihr euer Suchverhalten, wenn ihr auf der Suche nach Geschäften mit einem entsprechenden Angebot seid. Sucht in Zukunft nach Marken, nach Zertifikaten und somit Läden, die genau benennen können was genau wie 'nachhaltig' ist.
Abmahnindustrie als deutsche Besonderheit
In Verbindung mit dem (fast nur in Deutschland verbreiteten) Abmahnwesen ist das für uns besonders riskant. Bereits ein kleiner Verstoß kann zu einer Abmahnung durch nur für Abmahnungen gegründete und daher quasi kommerzielle 'Verbraucherschutzverbände' oder vermeintlich geschädigte Wettbewerber:innen führen. Im Zweifelsfall hat man dann entweder einfach einen blöden Fehler gemacht und muss blechen, oder man geht bis vors Gericht, weil man davon ausgeht, dass das Gesamtbild korrekt ist und ein:e Richter:in die Gesamtlage eher danach bewertet. Beides ist - gelinde gesagt - extrem nervig. Ob es eine solche Abmahnwelle geben wird, kann momentan niemand wirklich abschätzen.
In anderen Ländern werden solche Verordnungen von Behörden geprüft: Eine entsprechende Beschwerde geht an die Verbraucherschutzbehörde. Diese prüft den Fall, verhängt eventuell ein Bußgeld und geht gegen die unlautere Aussage vor. Privates Geld verdienen durch die Fehler anderer ist dadurch ausgeschlossen.



Fazit
Um es noch mal kurz zusammenzufassen: EmpCo zwingt uns, unsere Kommunikation zu ändern. Wir gehen jetzt mehr in die Tiefe und ihr findet auf unserer Website mehr echte Informationen und weniger blumig-grüne Buzzwords. Sonst ändern wir nichts. Weder unsere Haltung, noch unsere Einkaufspraxis.
Ihr könnt uns (anderen Läden mit einem ähnlichen Konzept) helfen, indem ihr uns treu bleibt und indem ihr online euer Suchverhalten anpasst. Und vor Ort könnt ihr im Zweifelsfall eh jegliche Frage stellen - wir finden es ja eh am schönsten, wenn ihr bei uns im Laden in der Moltkestraße, Freiburg vorbeikommt...
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Nein, es bleibt alles wie es war. Der Baumwollanteil ist nach wie vor immer Bio-zertifiziert und auch sonst achten wir sehr streng auf die verwendeten Materialien. Wir achten außerdem weiterhin darauf, dass unsere Lieferanten nachvollziehbare Lieferketten haben - mit möglichst viel Transparenz.
Die EmpCo-Richtlinie tritt am 27.09.2026 in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt versuchen wir unsere gesamte bisherige Kommnunikation angepasst zu haben und halten uns auch in Zukunft daran.
Wenn andere Läden behaupten, ewas sei 'fair Fashion' oder 'nachhaltige Mode' fragt genau nach. Ihr habt jetzt die Möglichkeit Nachvollziehbarkeit zu verlangen und die Läden gehen ein Riskio ein, wenn sie diese nicht bieten können.
Informiere dich bei welche Marken und welche Zertifikate wir empfehlen können. (zum Beispiel unter fair organic clothing?