animal free fashion

Vegane Kleidung und vegane Schuhe: Was ist drin?

von Lisa | 13.07.2021

Aus verschiedenen Gründen entscheiden sich immer mehr Menschen dazu, vegetarisch oder vegan zu leben. Insbesondere in Deutschland ist die fleischfreie Bewegung vergleichsweise stark. Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 ernährten sich vergangenes Jahr 3,2% der Bevölkerung vegan und 4,4 % der Menschen in Deutschland vegetarisch. Das entspricht jeweils mehr als drei Millionen Menschen! Zusätzlich gaben 29,1% der Deutschen an, nur noch wenig und bewusst Fleisch zu konsumieren (aka Flexitarier*innen). Aus den gleichen Motiven versuchen viele dieser Menschen darauf zu achten, auch sonst keine tierischen Produkte zu konsumieren und schauen sich nach veganen Schuhen und Lederalternativen um. Womit wir beim Thema wären.

Hafermilch-boxershorts von a-dam

Muss man als Veganer*in auch vegane Kleidung tragen?

Natürlich nicht – es gibt hier keine Vorschrift und jede*r muss für sich selbst entscheiden. Es gibt tolle Alternativen für Leder und Schafwolle, aber auch Tierprodukte aus verantwortungsvollen Quellen (schauen wir uns unten mal genauer an). Außerdem kommt es darauf an, was die eigenen Motive sind. Die meisten Menschen, die sich für eine vegane Lebensweise entscheiden, nennen Gründe wie die eigene Gesundheit, Tierwohl und den Umwelt- und Klimaschutz. Je nachdem, welcher Aspekt für Dich im Vordergrund steht, triffst Du auch weitere Konsumentscheidungen – zum Beispiel was den Inhalt Deines Kleiderschranks angeht. Zeit also für eine ausgewogene Betrachtung.

Also. Was ist das Problem mit Leder?

Schauen wir uns das Beispiel Leder an. Von Sonderfällen abgesehen ist die verwendete Tierhaut einfach ein „Abfallprodukt“ aus der Fleischproduktion. Es nicht zu verwenden, käme also einer Ressourcenverschwendung gleich (wobei ich das Henne-Ei-Problem in dieser Argumentation natürlich sehe). Leder ist zudem sehr robust, biologisch abbaubar und hat viele Eigenschaften, die es zu einem lange haltbaren und damit nachhaltigen Rohstoff für die Schuh- und Kleidungsproduktion machen. Dies zum „einerseits“.

Lederproduktion in Indien
Lederarbeiter in Indien.
Bildquelle: INKOTA/ Change Your Shoes/ GMB Akash

Andererseits: Wenn man sich ansieht, wie Leder gewonnen und hergestellt wird, kann es einem schon mal anders werden. Die weltweit gängigste Form des Gerbens ist das Chromgerben. Aus Kostengründen wird es meist in Ländern mit geringem Umwelt- und Arbeitsschutz im globalen Süden durchgeführt. Die Menschen arbeiten mit unzureichender oder gleich ganz ohne Schutzkleidung mit ätzenden und toxischen Chemikalien, die Haut, Atemwege und Organe angreifen. Besonders gefährlich wird es, wenn das eingesetzte Chrom(III)-sulfat durch Verunreinigung und Oxidation zum hochgiftigen und krebserregenden Chrom(IV) wird. Die giftigen Abwässer werden im worst case dann auch noch ungeklärt in Gewässer geleitet und vergiften Brunnen, Feld- und Gartenfrüchte für die Anwohnenden. Selbst bei denjenigen, die dann Schuhe aus diesem Leder tragen, können Hautkrankheiten durch die im Leder enthaltenen giftigen Substanzen auftreten. Mehr unappetitliche Details über das Chromgerben liest Du bei der Kampagne für saubere Kleidung und bei INKOTA.

 

Gibt es „gutes“ Leder? Fair & pflanzlich gegerbt

Quasi als Kompromiss bieten wir deshalb für alle, die nicht ganz auf Leder verzichten wollen, ausschließlich Lederprodukte an, die aus pflanzlich gegerbtem Leder hergestellt wurden. Die hier verwendeten Tannine (von engl. tanning = gerben) werden z.B. aus Kastanien- und Eichenholz gewonnen. Der Gerbeprozess beim pflanzlichen Gerben dauert deutlich länger, aber produziert keine derart giftigen Abwässer. Zudem beziehen wir nur Lederprodukte aus Quellen mit zertifiziertem Arbeiter*innen- und Umweltschutz. Die Schuhe von Ten Points beispielsweise werden ausschließlich aus pflanzlich in Spanien gegerbtem Leder hergestellt. Ihre Gerberei arbeitet nach strengsten Umweltauflagen und mit hohen Arbeitsschutz-Standards.

 

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Einen interessanten Weg gehen auch die Upcycling-Fans von O.T.A. Sie nutzen für die Leder-Bestandteile ihrer nachhaltigen Sneaker die Abfälle und Verschnitte einer benachbarten Gartenhandschuh-Fabrik. So glänzt der Glencoe Recycled Leather nicht nur mit seiner Sohle aus alten Autoreifen und Schnürsenkeln aus recyceltem Ozeanplastik, sondern eben auch mit recycelten Lederapplikationen.

 O.T.A Glencoe Recycled Leather [white]  Ten Points Clarisse [cognac]

Für vegetarische Kleidung: Gibt es „gute“ Wolle?

Auch bei Schafwolle gilt es, genauer hinzuschauen. Wolle ist an sich ein nachhaltiges Produkt und hat großartige Eigenschaften, die sie für wärmeregulierende und natürliche Kleidung prädestinieren. Sie ist biologisch abbaubar und hat eine lange Lebenszeit. Doch die europäischen Schäfer*innen erhalten aufgrund der billigen Konkurrenz aus Australien und Neuseeland nur noch Centbeträge für ihre im traditionellen Handwerk hergestellten Wollfliese und leben hauptsächlich von EU-Subventionen. Ihre Schafherden werden heutzutage zum Großteil eingesetzt, um Landschaften natürlich freizuhalten und artenreiches Grasland zu erhalten. Insbesondere in Massenproduktion hergestellte Schafwolle wird häufig und zu Recht kritisiert, weil das Tierwohl bei der Aufzucht und Schur keine große Rolle spielt. Besonders Wolle aus Australien – dem mittlerweile größten Wollproduzenten weltweit – steht hier in der Kritik. Das dort weit verbreitete Mulesing ist eine Technik, die zu viel Tierleid führt – hierbei wird dem Jungtier, z.T. ohne Narkose ein Stück Haut rund um den Schwanz entfernt. Dabei wird eine Hautfalte geglättet, in der sich tödliche Parasiten einnisten können, die sich in den gigantischen australischen Schafherden dann ungebremst ausbreiten. Zudem werden die Merinoschafe zwei Mal im Jahr mit Chemikalien besprüht oder darin gebadet, um ihre dichte Wolle frei von Insekten und Pilzen zu halten. Auch diese Prozedur ist sehr qualvoll für die Tiere und setzt zudem Umweltgifte frei, die auch noch in der fertigen Wollsocke enthalten sein können.

Vegane Mode ohne Schaf

Um Dir eine anständige Alternative anbieten zu können, bieten wir dementsprechend ausschließlich Wollprodukte an, die zertifiziert Mulesing-frei sind und aus biologischer Tierhaltung stammen – dies schließt dann auch die Verwendung giftiger Chemikalien aus. Verlässliche Zertifizierungen für „gute Wolle“ sind unter anderem die kontrolliert biologische Tierhaltung (kbT) oder GOTS.

Ist vegane Kleidung grundsätzlich nachhaltiger?

Halten wir also fest, dass es Möglichkeiten gibt, auf moralisch und umwelttechnisch vertretbare tierische Rohstoffe wie Bio-Wolle und pflanzlich gegerbtes Leder auszuweichen. Auch eine Second-Hand Lederjacke ist immer eine gute und nachhaltige Option. Dennoch gibt es viele gute Gründe, sich komplett vegan zu kleiden, die wir unterstützen. Auch bei der Entscheidung für vegane Kleidung und Schuhe gilt es jedoch, die Augen offen zu halten. Denn klar: ein veganes T-Shirt zu machen ist easy - einfach 100% Bio-Baumwolle nehmen. Aber für vegane Schuhe von Leder einfach auf synthetische Fasern und Kunststoffe auszuweichen, ist irgendwie auch keine nachhaltige Lösung. Hierbei kommen zwar nicht direkt Tiere zu Schaden, aber Mikroplastik und Petrochemie sind eben auch nicht besonders toll.

 

Vegane Kleidung aus nachhaltiger Produktion

vegane kleidung filter

Um Dir rasch einen Überblick zu geben, haben wir einen einfachen Produktfilter auf unseren Seiten, mit dem Du Dir mit einem Klick nur vegane Kleidung anzeigen lassen kannst. Unsere vegane Kleidung besteht häufig aus Pflanzenfasern wie Bio-Baumwolle, Hanf oder Leinen. Auch nachhaltig produzierte Viskose-Fasern aus Holzresten wie zB Tencel kommen oft zum Einsatz. Wenn es synthetische Fasern sind, wird meist auf Recycling-PET zurückgegriffen. Schönes Detail: Früher war es normal, dass Jeanshosen ein Lederpatch am Bund haben, auf dem das Markenlabel abgedruckt ist - damit war die Jeans schon nicht mehr vegan. Diese Patches sind bei unseren Jeans-Herstellern nudie Jeans, K.O.I., ARMEDANGELS und Co. mittlerweile durchgängig aus Jacron – einer Lederalternative aus haltbaren Papierfasern. Fortschritt! Und das Beste: Diese von unseren nachhaltigen Kleidungs-Labels verarbeiteten Materialien sind nicht nur 100% vegan, sondern auch nachhaltig und aus fairer Produktion.

 K.O.I. Jeans Caroline [xavier vintage super light]

Vegane Schuhe mit pflanzlicher Leder-Alternative

Auch bei veganen Sneakern und Schuhen kommen gerne mal innovative Leder-Alternativen zum Einsatz. Der Sneaker-Profi Veja nutzt für seine veganen Schuhe beispielsweise Mesh-Gewebe aus recycelten PET-Flaschen und produziert Einlegesohlen aus Zuckerrohr, Naturkautschuk und Bio-Baumwolle. Der vegane V-10 Vegan CWL Sneaker hat ein Obermaterial aus „Corn Worked as Leather“. Das ist ein pflanzlicher Leder-Ersatz aus mit Mais- und Rizinusöl beschichteter Bio-Baumwolle. Auch Flamingo’s Life setzt für seine veganen Sneaker Classic 70‘s Kicks und Retro 90’s Sneaker auf eine Lederalternative aus Mais-Abfällen. Das Maisleder ist in Haptik und Strapazierfähigkeit kaum von „echtem“ Leder zu unterscheiden. Auch beim Roland V.3 kommt ein nachhaltiges Kunstleder zum Einsatz. Es besteht aus einer Mischung aus Getreideresten und recyceltem Polyester. Die veganen Sandalen und Sneaker von ekn werden aus einer Mikrofaser aus Recycling-PET hergestellt. Die atmungsaktiven Leder-Alternativen erinnern in Optik und Haptik an Glatt- und Wildleder und ergeben ebenfalls sehr schicke Schuhe. Wenn man die Augen offen hält, gibt es also viele tolle und nachhaltige vegane Alternativen, die auch noch gut aussehen - und damit kaum einen Grund mehr, sich nicht vegan zu kleiden.

Veja V-10 Vegan CWL [white ultraviolet purple] Flamingo's Life Classic 70's Kicks [white/navy/grey]  ekn Sandal [black vegan]  Flamingo's Life Roland V.3 [tricolor ivory]