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Grüner Knopf: Staatliches Siegel für faire Textilien

von Bernadette Kirner | 06.05.2019

Die ein oder der andere hat evtl. schon davon gehört - für alle anderen gibt es heute einen Blogpost zum 'Grünen Knopf', dem ersten staatlichen Siegel für nachhaltige Kleidung. Aber: Bringt das eigentlich was?

Nach zahllosen Skandalen, regelmäßigen Fabrikunglücken mit zu vielen Todesopfern und einer Ungerechtigkeit, die sich in sämtlichen Produktionsfeldern zeigt, war es dann doch auch mal dem deutschen Bundesentwicklungsminister zu bunt. Gerd Müller möchte deswegen ab diesem Sommer ein Gütesiegel für fair und nachhaltig produzierte Kleidung einführen. Die Frage nach einer erfolgreichen Durchsetzung liegt bei den Herstellern, denn die sind skeptisch und befürchten hohe zusätzliche Kosten. Zum Start im Sommer 2019 sind deswegen zunächst nur zehn deutsche Unternehmen dabei.

Siegel grüner knop

Die Idee hinter dem Gütesiegel 'Grüner Knopf' ist simpel und an sich eine gute: Verbraucher*innen sollen anhand des Siegels fair produzierte Kleidung schnell und einfach erkennen können. Beim Kauf soll der 'Grüne Knopf' gewährleisten, dass bei der Produktion der Kleidung Sozial- und Umweltstandards eingehalten wurden. Denn die Hersteller müssen nun nachweisen, dass sie "der unternehmerischen Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette nachkommen", so der Minister in einem Interview beim Bayerischen Rundfunk.

Nach dem schrecklichen Unglück von Rana Plaza im Jahr 2013, dem auch wir vor zwei Wochen im Rahmen der Fashion Revolution Week gedacht und Euch darüber und verwandet Themen informiert haben, hatte Gerd Müller bereits mit der Gründung des Textilbündnisses reagiert. Dieses sollte soziale, ökologische und ökonomische Verbesserung entlang der Textillieferkette bringen - so das ambitionierte Ziel vor einigen Jahren. Das Zwischenfazit fällt nun v.a. durch die Freiwilligkeit des Textilbündnisses eher ernüchternd aus, da gemessen am Gesamtumsatz gerade einmal 50% der Branche mit im Boot sind. Die andere Hälfte kümmert sich nicht weiter darum - auch irgendwie klar, wenn es so gar keine politischen Hebel und Sanktionierungs-mechanismen gibt.

So eilt nun auch dem Siegel 'Grüner Knopf' vor seiner Einführung nicht wenig Kritik voraus. Denn es ist bereits vier Jahre her, dass der Entwicklungsminister dessen Gründung initiiert hat. Leider ist auch bis dato noch unklar, wie die genaue Ausgestaltung aussehen soll. Kritik kommt bspw. von Seiten der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen. Deren Sprecher für Entwicklungspolitik, Uwe Kekeritz, findet: "Bislang ist unklar, ob der Grüne Knopf überhaupt einen Mehrwert liefert."

Eigentlich auch schade, denn an sich wäre so ein Siegel ja nicht verkehrt. Aber wie bei so vielen anderen Dingen scheitert es vermutlich auch mal wieder an der passenden Umsetzung. Und eben einer starken Durchsetzung samt Sanktionierungsoptionen. Einfach gesagt: Es sollte gesetzlich klar verankert sein. Denn nur so macht die Industrie mit.
So lange haben wir andererseits aber auch bereits bewährte Siegel und Zertifikate, die schon länger bestehen und einen guten Ruf haben. Dazu zählen der Global Organic Textile Standard (GOTS), der neben der biologischen Herkunft der Materialien auch bestimmte Arbeitsstandards festlegt - hier gibt es übrigens einen Blogpost dazu - und die Fair Wear Foundation (FWF), über die Du Dich in diesem Blogpost genauer informieren kannst.