Materialkunde

Mode aus Recycling PET – wie nachhaltig ist das?

von Lisa | 26.07.2021

Ach Kunststoff – Du Fluch und Segen unserer Zivilisation. Aus Dir lassen sich Gegenstände in allen Formen und Farben unschlagbar günstig herstellen, die auch noch leicht und stabil sind. Toll! …wenn das gigantische Müllproblem nicht wäre, das das unkaputtbare Plastik verursacht. Was macht man also als nachhaltiges Modelabel, das aufgrund der Funktionalität von Kunstfasern nicht ganz darauf verzichten will? Genau: Es nutzt recycelte Kunststoffe. Und damit sind wir beim Thema des Tages angekommen. Wir widmen uns der Frage, welche Eigenschaften Mode aus recyceltem Plastik hat, wie man Kleidung aus PET-Flaschen herstellt und ob hinter Bademode aus recycelten Fischernetzen mehr steckt als ein Marketing-Gag. Let’s go!

adam Bikini aus recycling pet

Recycling PET: Kleidung aus Plastikflaschen

PET ist kurz für PolyEthylenTerephthalat – und nicht nur Grundstoff für die allseits bekannte PET-Flasche, sondern auch für *tadaa* Polyester. Die synthetische Mikrofaser Polyester trat ihren Siegeszug in den 1940ern im damaligen Textil-Standort Großbritannien an. Mittlerweile sind sage und schreibe 60% aller neu hergestellten Kleidungsstücke ganz oder zum Teil aus Polyester, so Greenpeace. Fun Fact: Die PET-Flasche wurde erst deutlich später erfunden, nämlich in den 1970ern. Da PET wie wir wissen ein Erdöl-Derivat ist, ist eine Lösung um aus der Erdöl-Abhängigkeit auszubrechen und zugleich mit den gigantischen Massen an bereits vorhandenem Plastik umzugehen, ein effektives Recycling und die Nutzung von Recycling-PET auch in der Mode.

 

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Faire Kleidung aus Recycling PET

Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch funktional. Polyester-Fasern aus Recycling-PET haben dieselben Eigenschaften und dieselbe Qualität wie neues Polyester. Der einzige Unterschied ist, dass Recycling PET aufgrund der unvermeidbaren Vermischung mit andersfarbigem PET nicht ganz so rein weiß wird, wie neues PET. Deshalb kann aus Recycling PET, oder R-PET wirklich alles hergestellt werden, was sonst aus „normalem“ Polyester gemacht wird. Dazu gehört Bademode aus R-PET genauso wie Öko-Sneaker, wasserdichte Rucksäcke oder Bestandteile von Jeanshosen. Bei K.O.I.-Jeans sind die dünnen Hosentaschen-Futter z. B. hin und wieder aus recyceltem PET.

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Wie nachhaltig ist recyceltes PET wirklich?

Als Grundlage von Recycling PET dienen in der Regel Deine zurückgebrachten PET Pfand-Flaschen und aussortiertes aus dem gelben Sack, sowie in der EU gehandeltes PET. Bei der Bewertung der Nachhaltigkeit des Recycling-Prozesses gibt es je nach Standort und vorhandenem Energiemix, verwendeter Technik sowie Verunreinigungsgrad des Ausgangsstoffes unterschiedliche Ergebnisse. Als Faustwert für in Deutschland recyceltes PET gilt: Pro Kilogramm R-PET fallen 0,4 bis 0,7 kg CO2-Äquivalent an. Zum Vergleich: 1 kg neues Polyester verursacht 2,18 kg CO2-Äquivalent bei der Herstellung (Quelle: Nabu). R-PET ist in der Herstellung also deutlich nachhaltiger als neues Material.

 

Mikroplastik ist auch bei Recycling PET ein Thema

Das Problem Mikroplastik durch ausgewaschene Fasern bleibt jedoch auch beim recycelten PET bestehen. Bei Sneakern und Rucksäcken fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Auch Badesachen braucht man nur selten in die Waschmaschine geben - sie nach dem Schwimmen einfach im Waschbecken auszuspülen schont das Textil und macht es langlebiger (vgl. Symbolbild mit A-dam Badeshorts). Für alle anderen Textilien mit Synthetikfaser-Anteil sind Mikroplastik-Filter an der Waschmaschine eine gute Lösung. Wusstest Du, dass sie in Frankreich ab 2025 Pflichtbestandteil jeder neuen Waschmaschine sein sollen? Neid! Immerhin bekommst Du in Deutschland Mikroplastikfilter mit denen Du Deine Waschmaschine selbst nachrüsten kannst.

a-dam Badeshorts schonend waschen

Bademode aus recycelten Fischernetzen

Immer wieder hört man von der innovativen und irgendwie naheliegenden Idee, Bademode und Bikinis aus Recycelten Fischernetzen zu machen. Aktuell leider ausverkauft, aber vielleicht nächste Saison wieder im Sortiment sind INASKA, die damit werben, Bademode aus ebensolchen alten Fischernetzen zu machen. Auch in anderen Produkten, zum Beispiel Feinstrumpfhosen oder Socken triffst Du auf dieses recycelte Nylon.

 Swedish Stockings Elin [black]  A-dam Underwear Socks Joost [royal blue]

Da sogenannte Geisternetze einen großen Teil der Meeresverschmutzung ausmachen und zudem eine echte Gefahr für alle Meeres-Lebewesen sind, klingt die Idee zunächst absolut sinnvoll. Was allerdings tatsächlich aus dem Meer geborgen wird, ist sehr stark verunreinigt und dementsprechend schwer sortenrein zu trennen. Der WWF beschreibt das Entfernen von Meeressand und Senk-Blei für das Recycling und selbst für das Verbrennen zur Energiegewinnung als riesen Herausforderung. Also wie schaut es wirklich aus bei „Bademode aus recycelten Fischernetzen“? Unsere Fair Fashion Labels verwenden statt neuem Nylon recyceltes Nylon der Sorte ECONYL. Das ist recyceltes Nylon aus Teppichböden, Industriemüll und – ja – auch aus alten Fischernetzen. Die verwendeten Fischernetze stammen aus Aquakulturen und dem Fischereibetrieb, aber auch aus eingesammelten Geisternetzen. Die von Freiwilligen geborgenen Geisternetze werden in einer innovativen Netzwaschanlage in Slowenien gereinigt und recycelt. Das gewonnene ECONYL ist eine hochwertige Nylon-Faser, die einen 90% geringeren Treibhausgas-Ausstoß hat als „neues“ Nylon. So macht Schwimmen Spaß!