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Jeans Geschichte: Von der Arbeitshose zur Öko-Jeans

von Lisa | 09.09.2021

Der zündstoff ecofashion-Blog, Fachblatt für Jeansliebhaber*innen, wird heute historisch: Wir erforschen die Ursprünge der Jeans und zeichnen ihren Weg von den Anfängen in den amerikanischen Goldminen bis zu ihrer allgegenwärtigen Verfügbarkeit heutzutage nach. Wer hat die Jeans erfunden, wer machte sie populär und seit wann gibt es öko-faire Jeanshosen für Jederfrau*? Auf in die Zeitmaschine!

nudie Jeans zitiert James Dean
Lean Dean: nudie Jeans zitiert James Dean

Wer hat die Jeans erfunden?

Um das Jahr 1850 in den noch jungen USA: Es ist die Zeit des kalifornischen Goldrausches und des wilden Westens. Ungewaschene, bärtige Typen versuchen ihr Glück in den ihnen unbekannten Weiten Nordamerikas und schürfen nach Gold. Ein nicht ganz triviales Problem, dem sie begegnen: Was zieh‘ ich nur zur Arbeit an? Die damals übliche Arbeitskleidung hält den Strapazen kaum stand. Nähte reißen ein, Knie werden löchrig, Goldsucher brauchen ständig neue Hosen. Die Folge: Auch die Reparatur- und Schneiderbranche in San Francisco boomt. So schickt sich der bettelarme fränkische Auswanderer Levi Strauss an, den Goldgräbern eine Arbeitshose zu schneidern, die langlebig genug ist, um viele Taschen – darunter auch seine – mit Gold zu füllen.

"A gold hunter on his way to California, via, St. Louis". Zeitgenössische Karikatur aus der Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA
"A gold hunter on his way to California, via, St. Louis."
Zeitgenössische Karikatur aus der Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA

Warum heißt die Hose Jeans?

Levi bedient sich dafür an einem italienischen Modell einer Baumwoll-Seefahrerhose aus Genua. Der französische Name der Stadt, „Gênes“ wird im Volksmund schnell zu „Jeans“. Die ersten Jeans werden aus braunem Zeltplanenstoff geschneidert. Das ist schonmal nicht schlecht, aber lange nicht das Ende der Entwicklung. Der Stoff ist noch nicht robust genug und die Nähte reißen immer noch ein. Gemeinsam mit dem Schneider und Erfinder Jacob Davis meldet Levi 1873 das Patent für die Nahtverstärkung mit Kupfernieten an. So machen die Hosentaschen es problemlos mit, dass die Goldsucher sie ständig mit Steinen vollstopfen. Die Hosenfabrikanten der Westküste liefern sich ein surreales Wettrennen um die stabilste Hose und um die Gunst der Goldgräber.

 nudie Jeans Breezy Britt [blue bird]  K.O.I. Jeans Juno High [bio stretch fresh blue]  Kuyichi Jamie [dark blue]
Öko-faire Blue-Jeans mit Nieten: von nudie, KOI und Kuyichi

…und was bedeutet Denim?

Auf der Suche nach einem strapazierfähigen Material für ihre Jeans-Arbeitshose stoßen die jetzt-Geschäftspartner Levi und Jacob bald auf ein 400 Jahre altes Gewebe aus Südfrankreich. Im südfranzösischen Nîmes wurde seit Beginn des 16. Jahrhunderts ein robustes Gewebe aus dicken, reißfesten Baumwollgarnen hergestellt. Der widerstandsfähige „Serge de Nîmes“ ist genau, was sie gesucht haben. Das in USA schnell in „Denim“ umgetaufte Textil wird mit Indigo blau gefärbt und setzt sich als Grundstoff für die Blue Jeans durch. So entsteht 1882 mit der Blue Jeans eine robuste Arbeitshose, die einiges mitmacht und die Erfinder der Jeans verdienen fortan kräftig am Goldrausch mit. Well done!

Wie gelangte die Blue Jeans in die Mode?

Den Schritt von der Arbeitshose für harte Kerle zur Alltagshose von praktisch über cool bis sexy macht die Jeanshose nach dem zweiten Weltkrieg durch bekannte Influencer, die man damals noch Filmstars nennt. Idole wie Marlon Brando und James Dean tragen die Jeans in ihren populären Filmen. Die rebellische Jugend nutzt die Hose, um sich auch äußerlich von ihren Eltern abzusetzen. Amerikanische Soldaten bringen die Jeans mit nach Europa. Damals ebenso schick wie heute: Eine perfekt sitzende straight leg Jeans im Slim fit, unten gerne umgeschlagen. Natürlich pflegen auch sie noch das Image des kernigen Typen – wie Marlon Brando im Motorradgang-Film „The Wild One“ von 1953.

US-Filmstars und ihre jeans
Als toxische Männlichkeit noch cool war: Marlon Brando und seine Motorradgang 1953 im Film „The Wild One“

Die Erfindung der Damen-Jeans

Mit Marilyn Monroe macht eine weitere US-Popikone im Jahr 1961 die Jeans schließlich auch für Frauen populär. Mit ihrer eng anliegenden high-waist Jeans im Mom-Fit, kombiniert mit weißem Hemd und Jeansjacke im Western „The Misfits“ setzt sie ein Zeichen für die weibliche Variante des rebellischen und coolen James Dean-Looks und die Jeans wird endgültig zum Kult. Auch sie trägt eigentlich noch die damaligen Standard-„Herren-Jeans“, denn unterschiedliche Jeans-Modelle von Baggy über Slim bis Skinny sind noch gar nicht erfunden.

US-Filmstars und ihre jeans
Marilyn Monroe und Clark Gable am Set von "The Misfits" 1961

1990er bis heute: Es wird bunter im Jeansregal

Auch bei der Entwicklung der Jeans hat die Hip Hop Szene – ähnlich wie beim Hoodie – großen Einfluss auf die populäre Mode. Die bisher immer gleiche Jeans verändert sich. Die Jeans werden weiter und hängen tiefer: die Baggy Jeans betritt die Bühne. Die großen Marken verschlafen derweil den Trend zu neuen Jeans-Passformen und stürzen in eine Krise - neue Labels füllen die Lücke mit neuen Schnitten. Die Jeans werden individueller, Farben und Waschungen abseits von Indigo und Fits neben „Regular“ entstehen. Heute besitzt jede*r Deutsche im Schnitt acht (8!) Jeanshosen. Die weltweite Jeans-Produktion indes ist längst in Billiglohnländer abgewandert, wo die Hosen unter teils miesen Umwelt- und Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Die letzte US-Amerikanische Jeansfabrik einer großen Marke schließt ihre Tore im Jahr 2003.

 

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Die Öko-Faire Jeans im neuen Millennium

Das Jahr 2000. Feuerwerk: Ein neues Jahrtausend bricht an und nahezu gleichzeitig starten die Eco-Fashion Pioniere Kuyichi und nudie Jeans die öko-faire Jeans-Produktion. Seit 2001 produzieren beide nachhaltige Jeans, die gleichzeitig hohen Ansprüchen in Sachen Style gerecht werden. Ihre Jeanshosen bestehen grundsätzlich aus Bio-Baumwolle, je nach Modell mit geringem Elasthan-Anteil. Auch recycelte Baumwolle kommt zum Einsatz. Entgegen des früheren Trends zum extremen Used-Look werden Sandstrahlung und der Einsatz gefährlicher Chemikalien ausgeschlossen. So kehrt die Hose nach den Mode-Eskapaden der 90er und früher 2000er zurück zu ihren Ursprüngen: Die öko-fairen Jeans sind nicht nur modisch schick, sondern auch robust und langlebig. Die Mehrzahl der Modelle ist Unisex. Eine der erfolgreichsten Denims von nudie Jeans ist die Lean Dean - ein expliziter Rückgriff auf die Coolness von James Dean. Willkommen zurück in der Gegenwart.

 

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