Inside zündstoff

Inside out: Lea über ihr Praktikum bei zündstoff!

von Janina | 14.11.2019

Kennst Du das? Du möchtest Deine Gedanken mitteilen, vielleicht sogar zu Papier bringen, aber die Eindrücke lassen sich noch nicht so richtig ordnen in Deinem Kopf?

Ich fange einfach mal bei mir an. Ich bin Lea. Wenn Du in den letzten Wochen ein paar Blogeinträge auf der zündstoff-Seite gelesen hast, stehen die Chancen gut, dass auch der ein oder andere von mir dabei war. Ich war in den letzten zwei Monaten Praktikantin bei zündstoff. Und weil es eben manchmal schwierig ist, hinter die Kulissen zu schauen, möchte ich Euch ein bisschen von meinen Erfahrungen hier berichten!

Die Tür des zündstoff-Stores in der Freiburger Innenstadt Öko-faire Bekleidung für Herren und Damen findest Du bei zündstoff

Wie kam ich also zu zündstoff? Mein Studium hatte mit Mode zunächst mal gar nichts am Hut - oder wenn, dann aus einer betriebswirtschaftlichen Warte, als eine Industrie mit hohem Gewinn-Potential. Mit Gewinnorientierung auf Kosten anderer Werte konnte ich mich aber nie anfreunden.

Mode war deshalb für mich immer nur ein Hobby. Früher bin ich davon ausgegangen, dass meine Shoppingtouren-Begeisterung nur eine Phase der Teenie-Zeit ist. Doch in den letzten Jahren musste ich mir eingestehen, dass dem nicht so ist. Ich kaufe einfach gerne ein. Ich mag es, neue Kleidung in meinem Schrank zu haben und freue mich dann wie ein (Soja-)Schnitzel, wenn ich mir überlege, wie ich meine neuen Teile jetzt kombinieren kann.

Ich bin immer beeindruckt, wenn Leute mir erzählen, wie wenig sie einkaufen. Lebensmittel werden containert oder vom Food Sharing geholt, bei Kleidung gibt es jedes halbe Jahr mal etwas Neues, und mehr wird kaum gebraucht. Ich finde das toll und rege mich auch regelmäßig darüber auf, wie überfüllt mein Kleiderschrank ist. Aber doch kommen ständig Teile dazu, weil ich 'das irgendwie schon brauche' oder 'sowas schon ewig gesucht habe'.

Eine bunter Kleiderstange voller schöner Sachen

Wie soll ich also damit umgehen, dass neue Klamotten mir so viel Freude bereiten, ich aber gleichzeitig einen hohen Konsum, gerade in einem so sozial- und umweltschädlichen Bereich wie der Textilindustrie, eigentlich ablehne? Ich musste irgendwie einen Kompromiss finden. Meine erste und wahrscheinlich eine der intuitivsten Reaktionen war es, nur noch Second Hand Mode zu kaufen. Die muss nämlich nicht extra für mich hergestellt werden und das Tolle ist, dass ich dort auch meine nicht mehr getragenen Sachen loswerde. So kann ich also meinen Kleiderschrank ständig etwas durchwechseln, ohne dass es wirklich mehr werden muss. Vor allem aber, unterstütze ich damit nicht mehr die Produktion neuer Kleidung.

In diesem Zusammenhang wurde ich auf den zündstoff-Laden in der Freiburger Innenstadt aufmerksam. Der liegt auf meinem Heimweg von der Uni, ich kam also doch das ein oder andere Mal daran vorbei ;) Über der Tür steht 'zündstoff - fair & organic'. Das hat natürlich ins Schwarze getroffen. Die unwürdigen Arbeitsbedingungen und die immense Belastung der Umwelt waren ja genau die Dinge, die mich an der Textilindustrie so verzweifeln ließen. Und jetzt steht hier fair & organic über einem Klamottenladen - da musste ich ja neugierig werden!

Der zündstoff-Store im Freiburger Sedan-Viertel in der blauen Stunde

Ich hab mir das Ganze also erst mal online angeschaut und dachte, für ein Studierendenbudget eher schwierig, aber das Konzept ist genau das, was ich mir wünsche - eine Alternative zur Fast Fashion Industrie, in der es immer und an erster Stelle um den Profit geht. Ein Unternehmen, das versucht, alle Aspekte von der Materialgewinnung bis zum Verkauf fair für alle Beteiligten und so wenig umweltschädlich wie möglich zu gestalten, und dann auch noch auf eine gute Atmosphäre im Team setzt!

Ich habe mich also für ein Praktikum beworben. Und war gespannt. Es ist ja recht einfach, sich nach Außen eine schöne Maske zu verpassen, Stichwort Greenwashing und dergleichen. Was ich aber vorgefunden habe, haut' mich vom Hocker: Die angebotenen Marken erfüllen wirklich allesamt sehr hohe soziale und ökologische Standards - und es gibt so coole Teile im Sortiment, auch für ein Studi-Budget! Später mehr dazu, in welche ich mich verliebt habe ;)

Es ist aber weit mehr als die verkaufte Mode, die mich überzeugt hat. Jede*r im Team kann sich seine Arbeit so gestalten, dass sie einfach ins Leben passt! Jede*r hier ist in einer anderen Lebenssituation - studiert, hat Kinder, unterrichtet x-mal die Woche Yoga und und und. Work-Life-Balance wird nicht nur groß geschrieben, sondern gelebt. Abgesehen davon, dass sich mit Freude über coole Events, leckere Rezepte oder die neuesten bio-fairen Trends ausgetauscht wird, gibt es immer was zu lachen.

zündstoff beim Klimastreik in Freiburg   Das zündstoff-Team demonstriert für Klimagerechtigkeit

Bildnachweis: Silvie Gassner

Was ich besonders cool finde, und was auch nochmal gezeigt hat, wie authentisch das zündi-Team hinter der ganzen Nachhaltigskeits-Thematik steht, war das gemeinsame Teilnehmen am Klimastreik in Freiburg! Ein tolles Statement, für diesen Tag Laden sowie Online-Shop zu schließen, und für mich eine schöne Gelegenheit, die Leute auch außerhalb des Büros kennenzulernen. Verena macht die besten Wortwitze, Nina und Lena sind Schuld wenn das Nuss-Mus aus ist, Bernadette kocht authentisch indisch, wenn Du mit Gebell begrüßt wirst sind Severine und Jackson da, Sylvie trägt seit einer gewissen Reise keine Jeans mehr, Silvio kann auch mal 10 Tage am Stück schweigen, und wenn Du bunten Nagellack willst gehst Du zu Maize. Was ich auch schön fand: Kaffee kochen und Schuhe schnüren sind gerne auch mal Chef-Aufgabe!

Das ist aber nicht alles, was ich gelernt habe. Klar, von Fairtrade hatte ich auch vorher schon gehört. Dass der Global Organic Textile Standard (kurz GOTS) dafür da ist, ökologisch nachhaltig produzierte Artikel zu kennzeichnen, kann ich mir ja denken. Dass aber zum Beispiel nur die Produktion in Entwicklungs- und Schwellenländern, nicht aber beispielsweise in Europa, überhaupt unter die Fairtrade Zertifizierung fällt, und deshalb Siegel wie die Fair Wear Foundation super hilfreich sind, wusste ich nicht. Oder dass das GOTS-Zertifikat sich neben ökologischen Richtlinien auch auf soziale Standards und damit faire Arbeitsbedingungen bezieht, war mir zumindest neu.

Für eine Weile in diese Welt der bio-fairen Mode und der sozialen und nachhaltigen Gestaltung von Wirtschaft und Leben einzutauchen, war für mich sowohl interessant und lehrreich als auch inspirierend. Zu sehen, dass solche Alternativen zu einem auf so vielen Ebenen ignoranten Wirtschaftskonzept nicht nur denkbar sind, sondern bereits umgesetzt werden, ist definitiv motivierend!

Einige zündstoff Schätze haben es mir so angetan, dass ich nicht wiederstehen konnte und wollte. Das Women's T-Shirt TT64 Magic von Thokk Thokk zum Beispiel entspricht wie ich finde sehr seinem Namen - und sieht einfach magisch aus! Socken sind ja mittlerweile oft ein wichtiger Style-Bestandteil, und gerade die Sigtuna Fuck Racism Socken von einem meiner persönlichen Lieblingslabels Dedicated sind einfach ein super Statement. Und eine klassische, blaue Mom-Jeans wie die Nora passt einfach immer - das ist mein zündstoff-Look!

Damit geht's heute Abend noch zum zündstoff-Kneipenabend - was für ein schöner Abschied von einer tollen Zeit und wunderbaren Leuten. Da bleibt mir nur zu sagen: Danke und Ihr habt mich sicher nicht das letzte Mal gesehen :)

Liebe Lea: Wir freuen uns, dass Du uns mit so guten Erinnerungen verlässt! Wir wünschen Dir für Deine nächsten Stationen alles Gute und sehen uns dann hoffentlich bald wieder! Herzlichen Dank für Deine Unterstützung und Mitarbeit - uns hat es mit Dir auch sehr großen Spaß gemacht!