Blau machen

Blue Jeans: Indigopflanze vs. Anilin

von Lisa | 13.09.2021

Blue Jeans, Baby… Traditionell sind Jeanshosen blau, und sie gehören zu den beliebtesten Kleidungsstücken überhaupt. Aber wie werden Denims gefärbt und womit? Von der Indigo-Farbe hast Du sicher schon gehört. Wir schauen uns an, was Indigo genau ist und wie die Farbe hergestellt und verwendet wird. Lass mal blau machen!

Indigo gefärbte Blue Jeans im blauen Meer

Die Indigo-Pflanze Indigofera Tinctoria

Indigo ist ursprünglich ein pflanzlicher Farbstoff, der Baumwolle in ein strahlendes Tiefblau taucht. Er wird aus der Pflanze Indigofera Tinctoria gewonnen, einem hübsch rosa blühenden Hülsenfrucht-Strauch. Der färbende Bestandteil sind vor allem die Blätter. Der Farbstoff ist in weiten Teilen der Südhalbkugel, darunter im namensgebenden Indien schon lange bekannt und wird auch schon seit tausenden von Jahren exportiert – schon im alten Ägypten wurde die Indigofarbe genutzt. Auch in pflanzlicher Haarfarbe findet sich das Indigoblau - nur durch das dunkle Blau in Kombination mit weiteren Pflanzenfarben ist schwarzes Henna möglich. In Europa wurde Indigo erst seit dem 17. Jahrhundert im Zuge des Kolonialismus in größerem Stil verwendet. Für das Färben von Denim-Jeans wird Indigo seit dem 19. Jahrhundert eingesetzt, wie Du in unserem Artikel über die Erfindung der Jeans nachlesen kannst.

pflanzliches indigo
Indigofera tinctoria. Bild: Kurt Stüber,
CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Blau machen: So färbt die Indigo Pflanze

In einem langwierigen Verfahren wird aus den Blättern der Indigo Pflanze die blaue Farbe gewonnen – dazu werden die Blätter in Wasser fermentiert, also kontrolliert verrottet. Nach zehn Tagen erscheint der Farbstoff zunächst gelb. Unter der Zugabe von Sauerstoff entsteht das charakteristische Blau, das sich in Farbstoff-Flocken auf dem Boden des Wasserbeckens absetzt. Zum Färben einer Jeanshose kommen rund 10g Farbstoff zum Einsatz. Der fertige Farbstoff ist nicht mehr wasserlöslich und muss deshalb mit weiteren Chemikalien versetzt werden um den Färbevorgang zu starten und zu beenden. Früher hatte das viel mit Urin zu tun, heutzutage kommen hier Laugen und Wasserstoffperoxid zum Einsatz.

 nudie Jeans Lean Dean [dry indigofera]
mit pflanzlichem Indigo gefärbte Dry Denim von nudie Jeans

Der Farbstoff Indigo findet sich auch in anderen Pflanzen: Zum Beispiel im Färberwaid, der in Europa vor der Ankunft der Indigofera wichtigsten Färbepflanze. Da die Ausbeute an Farbstoff bei der Indigofera jedoch um ganze 30 Mal höher ist, verschwand der Färberwaid mit Ankunft der Indigo-Pflanze schnell in der Versenkung.

 

Pflanzliches vs. Synthetisches Indigo

Seit seiner Entdeckung für die westliche Textilindustrie wurde Indigo in großem Maßstab hergestellt – auch unter den ausbeuterischen Bedingungen des Kolonialismus in Indien und auf mit Sklaven betriebenen Plantagen in den USA. Dennoch reichten die hergestellten Mengen bald nicht mehr aus. Daher wird Indigo seit dem Ende des 19. Jahrhunderts synthetisch hergestellt und hat das natürliche Indigo seitdem weitgehend aus der Textilproduktion verdrängt. Das synthetische Indigo ist leider nicht ganz unproblematisch, da es aus dem Erdölderivat Anilin hergestellt wird. Fun Fact: Einer der ersten Hersteller für synthetisches Indigo aus Anilin war die Badische Anilin und Soda Fabrik, auch bekannt als BASF. Das Problem: Anilin steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Wenn die Synthese nicht zu 100% erfolgreich war, können der fertige Farbstoff und damit die Blue Jeans noch immer Anilin enthalten. Ebenso wie beim pflanzlichen Indigo ist der Färbevorgang beim synthetischen Indigo mit dem Einsatz weiterer Chemikalien verbunden.

pflanzliches indigo
Pflanzliches Indigo. Bild: gitane, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Synthetisches Indigo in öko-fairen Jeans

Auch in zertifizierten Öko-Jeans wird synthetisches Indigo eingesetzt. Das Textilsiegel GOTS hat allerdings Grenzwerte festgelegt, unter denen Anilin-Verunreinigungen der Farbe bleiben müssen. Der Grenzwert liegt bei 100 mg/kg. Analysen von Öko-Test konnten zB bei Jeanshosen von ARMEDANGELS eine Anilin-Verunreinigung von gerade mal 5mg/kg feststellen. Dazu muss gesagt werden, dass das Textil hierzu mit einer Säure und hohen Temperaturen traktiert wurde, um eventuell vorhandenes Anilin aus dem Indigo-Farbstoff zu lösen. Unter normalen Umständen löst sich das Anilin nicht aus der Farbe. Zudem ist 5mg ein sehr geringer Wert, der gesundheitlich höchstwahrscheinlich unproblematisch ist. Für konventionelle Textilien besteht indes kein Grenzwert für Anilin, da der genaue Zusammenhang zwischen Anilin und einer Krebserkrankung sehr schwer nachzuweisen und zu beziffern ist. Es konnte bisher lediglich beobachtet werden, dass Arbeiter*innen, die dem Stoff (aber eben auch anderen) ausgesetzt sind, auffallend häufig an einer bestimmten Krebsart erkranken. Bei den Analysen von Öko-Test blieben auch die Jeans von Fast Fashion Marken unter dem GOTS-Grenzwert.

 

Gefällt Dir, was Du liest?

Abonniere unseren Newsletter für wöchentlichen zündstoff: 

Jetzt Anmelden

 

Muss ich mir wegen synthetischem Indigo Sorgen machen?

Für uns als Hosenträger*innen bedeutet das alles: Keine Panik wegen Anilin. Unter normalen Umständen löst es sich nicht aus dem Textil. „Freies Anilin“, das direkt aus der Hose in die Haut übergehen könnte, konnte Öko-Test bei keiner der Hosen nachweisen. Allerdings ist schon der chemische Färbeprozess an sich eine sehr umweltunfreundliche Angelegenheit, die große Mengen an Wasser verschmutzt und die Gesundheit der Arbeiter*innen gefährdet. Das kannst Du vermeiden, wenn du zu Fair Fashion Marken greifst, die einen verantwortungsbewussten Einsatz von Chemikalien betreiben und dabei auf geschlossene Kreisläufe und Abwasserreinigung achten.

 

Öko-Faire Jeans ohne synthetisches Indigo

Wenn Du trotzdem sicher gehen willst, dass Deine Jeanshose kein synthetisches Indigo enthält, hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder Du greifst zu ungefärbten Jeans – die hellen undyed Hosen gibt es von verschiedenen Herstellern Öko-fairer Jeans. Im Blogartikel zu undyed Denim haben wir genauer besprochen, warum ungefärbte Jeans besonders nachhaltig sind.

 ARMEDANGELS Fjellaa Cropped [undyed]  ARMEDANGELS Mairaa [undyed]  Kuyichi Nora [undyed]  Kuyichi Jim [undyed]

Oder aber du gehst back to the Roots und greifst zu einer Jeanshose, die wie anno dazumal mit pflanzlichem Indigo gefärbt wurde. Im Gegensatz zu den „guten alten Zeiten“ kannst du hier sichergehen, dass das Indigo unter fairen und menschenwürdigen Zuständen angebaut und gewonnen wurde. So eine Jeans findest Du gerade beim Jeans-Spezialist nudie Jeans. Die Lean Dean in dry indigofera ist zudem eine Dry Denim - das besondere ist hier neben dem echten Indigo, dass Du beim Tragen und ersten Waschen nach einigen Monaten Deine eigene, individuelle Jeans-Waschung erzeugst.

 nudie Jeans Lean Dean [dry indigofera]

 

Lesetipps für Dich

zündstoff Zeitmaschine
Jeans Geschichte: Von der Arbeitshose zur Öko-Jeans

09.09.2021

Der zündstoff ecofashion-Blog, Fachblatt für Jeansliebhaber*innen, wird heute historisch: Wir erforschen die Ursprünge der Jeans und zeichnen ihren Weg von den Anfängen in den amerikanischen Goldminen bis zu ihrer allgegenwärtigen Verfügbarkeit heutzutage nach. Wer hat die Jeans erfunden, wer machte sie populär und seit wann gibt es öko-faire Jeanshosen für Jederfrau*? Auf in die Zeitmaschine!

zum Artikel
Denim Deluxe
Undyed Denim: Der nachhaltigste Jeans-Style

04.06.2021

Was ist weiß, umweltfreundlich und sehr kleidsam? Genau, ungefärbte Jeanshosen aka Undyed Denim! Warum ungefärbte Biobaumwoll-Kleidung und vor Allem Jeans so umweltfreundlich sind, und wie Du sie am besten pflegst, erfährst Du in diesem Beitrag.

Spoiler: Der Sommer wird mal wieder heiß - und diese Hosen sparen Wasser.

zum Artikel
who made my clothes
Nachhaltige Jeans Herstellung: Eine Reise mit Lean Dean

21.05.2021

Der 21. Mai ist Welttag der kulturellen Vielfalt! Zu diesem Anlass und getreu dem Hashtag #whomademyclothes begleiten wir eine unserer Lieblingshosen, die Lean Dean von nudie Jeans auf ihrem Weg vom Baumwollfeld bis in unser Lager und machen unterwegs ein paar Reisefotos. Zieh Dir eine Hose an und komm mit!

zum Artikel