Hoodie History

Dein politischster Pulli: Der Hoodie

von Lisa | 31.08.2021

Reden wir über Kapuzenpullis. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass Du – ja genau Du! – auch mindestens einen davon besitzt. Aber wusstest Du, dass der Hoodie eine äußerst interessante und politische Geschichte hat? Schauen wir uns dieses ikonische Stück Kleidung mal genauer an: Komm mit zur Hoodie History im September!

Hoodie Kunstinstallation Rotterdam
Titelbild: Prem Sahib, Umbra, 2019. Photo: Plastiques. Courtesy the artist and Jhaveri Contemporary.

Intro: Was bedeutet Hoodie?

Im extrem unwahrscheinlichen Fall, dass Du wirklich keinen Kapuzenpulli hast, erlaube mir eine kurze Begriffserklärung. Wie der Name schon sagt: Der Hoodie oder Kapuzenpulli wird definiert durch seine Kapuze (englisch: Hood, vergleiche auch Hood, Robin). Er ist in der Regel aus einem Baumwoll-Jersey genäht, kann aber auch aus anderen Materialien sein. Er hat meistens Kängurutaschen, optional einen Reißverschluss und Bändel an der Kapuze. Der Kapuzenpulli ist erstmal eine unkomplizierte Art, gleichzeitig warm und cool angezogen sein. Deshalb trifft man ihn auf Schulhöfen ebenso an wie in Chefetagen.

 

Von der Arbeiterklasse bis zu BLM: Hoodie History

An und für sich gibt es den Kapuzenpulli schon mindestens seit den alten Römern, und damit ist der Hoodie quasi Kulturgut. In seiner heutigen Form existiert der Kapuzenpullover immerhin seit den 1930er Jahren. Die New Yorker Knickerbocker Knitting Company entwarf den Hoodie, um die Arbeiter*innen in den ansässigen Warenhäusern auch im Winter warm zu halten – wenig überraschend avancierte das Teil schnell zum Kassenschlager. Der so geschaffene Arbeiter-Pulli war auch bei Sportler*innen geschätzt und wurde in den 1970ern durch verschiedene Influencer nochmal nach vorne katapultiert. Einer davon war Silvester Stallone, der damit als amerikanischer Working Class Boxer Rocky 1976 durch die Ghettos von Philadelphia joggte und in den Kühlhäusern Schweinehälften verprügelte.

Die 80er: Der Kapuzenpulli an US-Unis und im Hip Hop

Einen interessanten kulturellen Spagat machte der Hoodie dann in den folgenden Jahren, als er einerseits von den amerikanischen Universitäten als College Jacket aufgegriffen wurde, und nahezu gleichzeitig in der Hip Hop und Gang Kultur auftauchte. Hip Hop Helden von Tupac Shakur über Run DMC bis hin zu Eminem zeigten sich fortan im kuscheligen Kapuzenpulli. Nun kam der Hoodie nicht nur vollends im urbanen Alltag an, sondern wurde auch Statement Piece für politische Bewegungen und Subkulturen. Vor allem bei der POC Jugend Amerikas war und ist der Hoodie seither mehr als ein warmes Kleidungsstück. Der Kapuzenpulli ist heute untrennbar verknüpft mit Wahrnehmungen von Race, sozialer Ungleichheit und schwarzer Jugendkultur sowie ein Statement gegen Polizeigewalt. Gleichzeitig wird er in anderer Ausführung aber auch vom all-American Quarterback des örtlichen Colleges getragen - und transportiert damit etwas ganz anderes.

Hoodie black culture
Bild: $amii, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Der Hoodie als Statement und sozialer Marker

Seine Kapuze gibt Dir und Deinen Kopfhörern ein Stück Privatheit vor unerwünschten Blicken und Videokameras, und setzt gleichzeitig ein Statement das auch empowering ist. Man denke an Beyoncé im gelben Kapuzenpulli mit richtig viel Bling. Gleichzeitig wird – und das ist ein weiterer Aspekt – der Hoodie als sozialer Marker auch relevant beim Racial Profiling und als Träger von rassistischen Klischees. Besonders prägnant brachte dies die Aussage des Mörders von Trayvon Martin zum Ausdruck, der extra betonte, dass sein Opfer Hoodie trug und ihm „besonders verdächtig“ erschien.

Hoodie Trayvon in der Kunstausstellung Rotterdam
From left to right: grey ‘TRAYVON’ hoodie issued and sold by the Trayvon Martin Foundation; Sasha Huber’s portrait of Trayvon Martin from the ongoing ‘Shooting Stars’ series; and Devan Shimoyama’s work ‘February II’ (2019), named after the month Martin was born, in the exhibition ‘The Hoodie’ at Het Nieuwe Instituut, 01/12/2019 – 12/04/2020. Photo: Johannes Schwartz. Devan Shimoyama, February II, 2019. Courtesy of De Buck Gallery, New York, NY and The Alison Katz Wolfson Family Collection, New York, NY; Aspen, CO. The Hoodie, 2019. Photo Johannes Schwartz.

 

Wir alle tragen Hoodie – aber jede*r anders

Davon unbenommen, dass mittlerweile sogar Figuren wie Mark Zuckerberg den Kapuzenpulli völlig unironisch tragen (und damit angeknüpft an den College-Hoodie ein sehr bewusstes Understatement inszenieren), ist der Kapuzenpulli – insbesondere in schwarz – auch in Deutschland ein fester Bestandteil des linken subkulturellen Outfits. Noch immer grätscht der Kapuzenpulli also zwischen trendigem Mode-Teil für 2000$ wie sie der eben erwähnte Mark Zuckerberg trägt (ohne Witz), und dem Ghetto-Style armutsgefährdeter Jugendlicher und ist dadurch Träger ganz unterschiedlicher kultureller Assoziationen: Je nachdem, wer den Kapuzenpulli wie trägt, kann der Hoodie langweilig oder ikonisch sein, cool oder bedrohlich wirken. Die Assoziationen changieren je nach Geschlecht, Race und Kontext der Pulli-Träger*innen sowie der Vorurteile und Einstellungen ihrer Betrachter*innen. Diese Verknüpfungen sind derart vielfältig, dass das Nieuwe Instituut in Rotterdam dem Hoodie vor kurzem eine eindrucksvolle Ausstellung widmete, über die Ihr hier mehr erfahrt. Die drängende Frage, die auch die Museumsausstellung zum Hoodie aufwirft, ist: ‘Who enjoys the right to wear [a hoodie] without challenge?


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Öko-faire Kapuzenpullis gegen Ausbeutung

Da wir nun also etablieren konnten, dass der Hoodie heutzutage nicht nur unvermeidbar, sondern auch ein extrem spannendes Stück Kleidung ist, lasst uns seine Ursprünge in der Arbeiterschaft würdigen: Sehen wir uns unter fairen Bedingungen produzierte Kapuzenpullover an, die ohne Ausbeutung entstanden sind.

Nur noch wenige Teile gibt es vom No Hate Bio-Baumwoll-Hoodie. Der schwarze Kapuzenpulli ist Teil der Antifaschistischen Kampagne von fritz-kola, dem FC St. Pauli und dem Hamburger Öko-Label recolution, deren Erlös an den Verein EXIT-Deutschland geht. Mit seinem Kauf unterstützt Du Menschen beim Ausstieg aus der rechten Szene. Mehr zu dieser Aktion hier.

 recolution No Hate Hoodie [black] - XL  recolution No Hate Hoodie [black] - XL

Nicht mehr ganz so explizit politisch sind die Kapuzenpullis von ARMEDANGELS, die es in der Variante Gaaston mit Reißverschluss oder als Paancho bzw. Anjanaa ohne Reißverschluss gibt. Alle sind aus fair gehandelter, GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle und fairer Produktion in Portugal.

 ARMEDANGELS Gaaston Comfort [acid black]  ARMEDANGELS Paancho Comfort [dark pine]  ARMEDANGELS Anjanaa [light desert]

Mehr Öko-faire Kapuzenpullis bietet Knowledge Cotton Apparel. Gefertigt aus 100% Bio-Baumwolle und einer großen Prise Casual Cool ist der Damen-Hoodie Daphne. Für die Herren haben wir den Elm Hoodie mit Zipper parat, sowie den Colorblock Cord-Hoodie. Natürlich alles fair produziert und unter den strengen Augen von GOTS zertifiziert.

 Knowledge Cotton Apparel Daphne Basic Badge Hoodie [incense]   Knowledge Cotton Apparel Elm Knowledge Zip Hoodie [arabian spice]  Knowledge Cotton Apparel Elm Colorblock Corduroy Hood [forrest night]

 

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Wir sind stolz, bei dieser Aktion dabei zu sein: Gemeinsam mit recolution, fritz-kola und dem FC St. Pauli beziehen wir Position gegen Rechts. Wir sind bei der neuesten Aktion dabei und helfen kräftig mit, Spenden für EXIT-Deutschland zu sammeln. Sei dabei und unterstütze mit uns die wichtige antifaschistische Arbeit von EXIT-Deutschland!

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