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The True Cost: Doku über die globale Textilindustrie

von Janina | 21.01.2016

Vielleicht hat die eine oder der andere sie bereits gesehen: Die Dokumentation 'The True Cost'. Wer noch nicht die Gelegenheit hatte, hat allerdings nun die Möglichkeit, denn der Film wird ab heute, 21.01.16, im Rahmen einer deutschlandweiten Kino-Tour gezeigt – Weltpremiere hatte er bereits vergangenes Jahr auf den 68. Filmfestspielen in Cannes.

Der Regisseur Andrew Morgan verfolgt in 'The True Cost' den Entstehungsprozess unserer Kleidung: Von der Herstellung der Baumwolle auf verschiedenen Kontinenten, über Textilfabriken und Sweatshops in Indien, Bangladesch und Kambodscha bis hin zu den Fashion-Weeks, Black-Friday Sales und der irren Konsum-Hysterie in den Industrienationen. Diese scheinbar so billige Kleidung hat allerdings einen weit höheren Preis, als auf dem Preisschild zu finden ist. Denn: Soziale und ökologische Kosten sind hier nicht eingerechnet.

True Cost Filmplakat

Für Morgan war die Recherche zu seinem Film und die Arbeit daran auch eine sehr persönliche Entdeckungsreise, denn er selbst hatte keine Ahnung über die tatsächlichen Ausmaße unserer globalen Textilindustrie und ihrer sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Konsequenzen (was ihm im Übrigen den Vorwurf fehlender Multidimensionalität einbrachte). Diese fußt auf einem fundamental ungerechten System, in dem Menschen in armen bis hin zu den ärmsten Teilen der Welt für westliche Staaten in einer Endlosschleife Kollektion um Kollektion von Kleidung produzieren. Und dabei geht es schon längst nicht mehr darum, etwas zum Anziehen zu haben, sondern vielmehr um das Stillen eines Konsumhungers, der kein Halten mehr zu kennen scheint.

Sieht man genauer hin, verhalten sich die großen multinationalen Bekleidungshersteller aber nicht nur betrügerisch gegenüber Arbeiter*innen in den Produktionsländern, die ausgebeutet und schlecht behandelt werden, sondern auf gewisse Art auch gegenüber den Konsument*innen im globalen Norden, die mit Kleidung in dubioser Qualität überschwemmt werden – suggeriert wird, dass stets nur das Neueste, Trendigste gebraucht wird. Wer länger Altes trägt, scheint nicht am Puls der Zeit zu leben. Gemäß dieser Logik werden weltweit pro Jahr sage und schreibe 80 Milliarden Kleidungsstücke umgesetzt. Kleidung wird auf diese Weise extrem entwertet, obwohl menschliche Arbeit sie hat entstehen lassen. Gar nicht zu reden von den Bergen an Textilabfällen, die so jährlich entstehen und kaum bis gar nicht wiederverwertet werden.

True Cost Frau Shop

Wie so oft stinkt der Fisch vom Kopf – und dieser ist in diesem Fall unser Wirtschaftssystem, das auf ein beständiges Mehr und ungebremstes Wachstum setzt: Dieses clasht in der Modeindustrie, übrigens die umweltschädlichste direkt nach der Erdölindustrie, auf massive Art mit Menschenrechten, Umweltschutz, sowie sozialen und politischen Gefügen.

Schon längst sind es nicht mehr vier Kollektionen pro Jahr, die Modehäuser produzieren lassen – nein, Fast-Fashion Firmen wie H&M und Zara werfen im wöchentlichen Rhythmus neue Ware auf den Markt und in ihre Filialen. Die Produktionsbedingungen können bei einem Blazer für 25 Euro Verkaufspreis unmöglich fair oder nachhaltig sein. Dabei beginnt dieses fundamental ungerechte System tatsächlich bereits bei der Produktion der Rohstoffe, z.B. Baumwolle, deren Anbau sehr energie- und ressourcenintensiv ist. In diesem Zusammenhang sind zu häufig Saatgut- und Biotechkonzerne wie Monsanto oder Syngenta diejenigen, die Landwirt*innen abhängig machen von gentechnisch verändertem Saatgut und darauf abgestimmte Pestizide und Herbizide. Traurige Konsequenzen davon sind die tragischen Suizide von unzähligen Farmer*innen in Indien sowie massiv angestiegene Missbildungs- und Fehlgeburtsraten in bestimmten indischen Regionen.

Recycelte Kleidung in bunten Farben
Bildnachweis: Tim Mitchell und Lucy Norris

Dieser Film ist absolut sehenswert, weil er sich Zeit nimmt, die komplexen Zusammenhänge in der Textilindustrie aufzuzeigen und einen ungeschönten Blick auf ihre Realität wirft.

Ihr könnt den Film ab dem 21.01.16 in ausgewählten deutschen Kinos sehen. Wer nicht das Glück hat, in der Nähe eines teilnehmenden Lichtspielhauses zu leben, sei auf das Internet verwiesen. Auf der Homepage des Films gibt es eine Liste mit Streamingseiten (u.a. Netflix), die diese Dokumentation in ihrem Programm haben. Als DVD oder Bluray kann die Doku aber auch bestellt werden.

 

 

Bildnachweis: Tim Mitchell und Lucy Norris, The True Cost