zündstoff informiert

Grüner Knopf: Und jetzt?

von Janina | 10.10.2019

Im Mai haben wir in unserem Blog über das neue, staatliche Siegel für faire und nachhaltige Herstellung informiert: Der 'Grüne Knopf'. Am 9. September wurde das Siegel nun offiziell eingeführt. Deshalb haben wir ein kleines Update für Dich, wie das Ganze aussieht und was wir davon halten.

fas

Bild Quelle: BMZ

Wir würden uns wahrscheinlich recht schnell einig werden, welche Zustände wir im Allgemeinen und auch in der Textilbranche im Speziellen sehen möchten. Eine Welt, in der Menschen sich gegenseitig schätzen und einander fair und menschenwürdig behandeln. In der Menschen acht geben auf die Natur und so gut wie möglich mit ihr im Einklang sind. Die Realität: Menschen beuten andere Menschen sowie die Natur aus. Manche sehr bewusst, andere sehr unbewusst. Wir gehen so unserem Alltag nach, kaufen uns noch schnell ein neues T-Shirt.. Und merken nicht, dass wir gerade ein Unternehmen unterstützt haben, dass seinen Mitarbeiter*innen nicht einmal genug bezahlt um davon leben zu können, sie gesundheitlichen Risiken aussetzt und sich dabei nicht darum schert, wie sehr die Umwelt nebenbei verschmutzt wird.

Es ist als Verbraucher*in oft nicht einfach zu wissen, welche Unternehmen sich diesen Dingen schuldig machen und bei welchen mit gutem Gewissens eingekauft werden kann. Deshalb sind Siegel für soziale und ökologische Standards so wichtig!

Kleidung (4)

Aber auch bei Gütesiegeln ist es nicht immer so leicht, den Überblick zu behalten, welche Siegel für was stehen und welche von ihnen vertrauenswürdig sind. Deshalb fand Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, dass es an der Zeit sei, ein staatliches Siegel zu schaffen, um die Kaufentscheidung für Konsument*innen zu erleichtern.

Geht man auf die Website des 'Grünen Knopfs', sieht auch alles sehr vielversprechend aus. Ganz übersichtlich ist aufgelistet, welche Art von Kriterien das Siegel überprüft, was Verbraucher*innen alles darüber wissen sollten und wie Unternehmen das Siegel erhalten können. Tatsächlich umfasst das Siegel neben 26 sozialen und ökologischen Produktkriterien auch 20 Unternehmenskriterien. Dadurch soll sichergestellt werden, dass tatsächlich die gesamte Unternehmensstrategie auf diese sozialen und nachhaltigen Ziele ausgerichtet ist, und nicht nur ein paar grüngewaschene Endprodukte vorgewiesen werden. Die Prüfung erfolgt über Dritte – also private Siegel - welche wiederum von der unabhängigen, staatlichen Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) geprüft werden.

Noch bezieht sich das Siegel nur auf die Schritte Zuschneiden und Nähen sowie Bleichen und Färben, da vor allem bei diesen Abschnitten der Lieferkette viele Missstände bekannt sind. Geplant ist aber, nach und nach alle Schritte der Lieferkette mit in die Prüfung und damit den 'Grünen Knopf' einzubinden.

Welt (3)

Klingt doch super, oder? Deutschland macht sich Gedanken, und die Regierung handelt. Naja, so halb eben. Denn das Siegel ist freiwillig, wirklich gesetzlich festgeschrieben ist nichts davon. Kommt Dir bekannt vor? Genau, da gab es doch mal das Textilbündnis. Ein Bündnis für nachhaltige Textilien, auch von Gerd Müller initiiert, als Reaktion auf schwere Unfälle in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan. Wie wir in unserem letzten Blogbeitrag zum 'Grünen Knopf' schon erwähnt haben, umfasst das Textilbündnis nur knapp 50 Prozent des Gesamtumsatzes dieser Branche in Deutschland. Das Problem: Das Bündnis basiert auf Freiwilligkeit, und wenn ein Unternehmen keine Lust hat sich daran zu halten, dann muss es das auch nicht.

Und jetzt dasselbe in Grün? So wunderbar die Ziele des 'Grünen Knopfs' auch klingen, wenn nur ein Bruchteil der Branche mit im Boot sitzt, ist fragwürdig, wie viel das Ganze hilft. Der Großteil der Unternehmen handelt so, wie es für das Unternehmen am wirtschaftlichsten ist. Wenn nun der Erwerb des Siegels einen Mehraufwand bedeutet, der eventuell nicht in den Verkaufszahlen reflektiert wird, und es in keinster Weise Sanktionen auf die Nicht-Einhaltung der im Siegel verlangten Kriterien gibt, wird sich ein Unternehmen im Normalfall dagegen entscheiden. Bis jetzt führen nur 27 Unternehmen das Siegel, einige davon kleine Start-Ups. Auch sollen zwar nach und nach alle Schritte der Produktionskette eingebunden werden, fakt ist aber, dass das Siegel zunächst für die Materialgewinnung keine Nachhaltigkeit und Fairness garantiert.

Lupe (3)

Wir wollen natürlich nichts schwarzmalen. Das Bewusstsein über Missstände in der Textilindustrie wächst, immer mehr Verbraucher*innen und Unternehmen versuchen immerhin, beim Einkauf oder in der Produktion auf soziale und ökologische Standards zu achten. Und dass auch die Regierung nicht mehr nur tatenlos daneben sitzt, ist definitiv als Erfolg zu verbuchen. Die Frage ist, wie viele freiwillige, halbherzige Ansätze es braucht, bis auch Gerd Müller einsieht, dass ohne gesetzliche Regelungen immer nur ein Bruchteil der Branche erreicht werden wird.

Was wir jetzt tun können? Nun ja, der Grüne Knopf ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Welche Unternehmen das Siegel bereits führen, erfährst Du hier. Wenn diese Auswahl Deine Bedürfnisse nicht ganz abdeckt, gibt es natürlich immer noch andere anerkannte Siegel und Zertifikate, die die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards garantieren. Einen sehr guten Ruf genießen zum Beispiel der Global Organic Textile Standard (GOTS), die Fair Wear Foundation (FWF) sowie die World Fair Trade Organization (WFTO).

wfto-logo-730x390px id24142 gots-logo 730x390px id24141 fair-wear-foundation-logo-730x390px id24137

Bildnachweis: unsplash