#stoppsklaverei

Aktionstag: Europäischer Tag gegen Menschenhandel

von Lisa | 14.10.2021

Am Samstag, den 16. Oktober geben wir in unserem Laden in Freiburg mit dem Rückgeld 80€-Scheine heraus. Damit beteiligen wir uns an der Aktion der International Justice Mission (IJM) Deutschland bei ihrem Aktionstag #stoppsklaverei. Denn am Samstag ist der Europäische Tag gegen Menschenhandel. Was steckt hinter dieser Aktion, warum ausgerechnet 80€ und wie sieht es eigentlich mit Zwangsarbeit in der Textilindustrie aus? Wir schauen hin.

80e schein zum europäischen aktionstag gegen menschenhandel

80 Euro - so viel kostet ein Mensch

Auf den 80 € Scheinen sind das Portrait und die Geschichte von Godson aus Ghana, Anna aus Rumänien und Cassie aus den Philippinen abgedruckt. Sie hatten das Glück, vor einigen Jahren aus der Sklaverei befreit zu werden und teilen jetzt ihre Geschichte um auf ihr Schicksal – und das vieler anderer – aufmerksam zu machen. Die 80 € stehen für den durchschnittlichen Preis eines Menschen in Sklaverei. Diese Näherungszahl wurde vom US-amerikanischen Soziologen Kevin Bales ermittelt. Wir kennen die Reportagen aus Libyen, die Bilder von modernen Sklav*innenmärkten und Lagern in denen Menschen auf der Flucht zu uns, nach Europa festgehalten werden. Auch wenn es in letzter Zeit stiller um solche Nachrichten geworden ist und wir sie leichter ignorieren können – gebessert haben sich die Zustände nicht. Hinzu kommen viele Orte und Geschehnisse, die es gar nicht erst in unsere Medien schaffen.

 

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Europäischer Tag gegen Menschenhandel

Menschenhandel ist keine Sache, die uns nichts angeht oder die irgendwie zeitlich und räumlich weit weg ist. Sie findet genau jetzt statt, auch in Deutschland. Dietmar Roller, Vorstand von IJM Deutschland benennt die bittere Realität: „Weltweit werden heute schätzungsweise mehr als 40 Millionen Menschen skrupellos versklavt und ausgebeutet – beinahe 2 Millionen davon alleine in Europa!“ Die Rumänin Anna, deren Geschichte Du hier lesen kannst, wurde mitten in Europa, in Ländern wie Deutschland, Großbritannien, Island und mehr zur Prostitution gezwungen. Als sie flüchten wollte, überlebte sie den Mordversuch ihres Zuhälters nur knapp. Sie lebt jetzt in einem Frauenhaus. Auch Cassie wurde sexuell ausgebeutet. Bis zu ihrer Befreiung mit 16 Jahren wurde sie gemeinsam mit anderen Kindern in Manila missbraucht, fotografiert und gefilmt. Heute ist sie 19 Jahre alt und Kinderrechtsaktivistin. Godson wurde als Kind in Ghana zehn Jahre lang brutal zur Arbeit gezwungen. Wie zehntausende andere Kinder schuftete er mehr als 12 Stunden am Tag in der Fischereiindustrie am Ghanaischen Volta-Stausee. Viele Kinder überleben diese Arbeit nicht. 2015 wurde er befreit und konnte mit 17 Jahren erstmals zur Schule gehen. Lies seine Geschichte hier.

moderne sklaverei
Anna wurde in Europa versklavt. Quelle: IJM

Wer ist die International Justice Mission?

Die IJM wurde 1997 gegründet und ist eine global agierende Menschenrechtsorganisation, die dafür kämpft, Sklaverei und die gewaltsame Ausbeutung von Menschen in Armut zu beenden. IJM Deutschland besteht seit 2009 und hat ihren Sitz in Berlin. Seit ihrem Bestehen konnte IJM bereits über 66.000 Menschen aus Sklaverei und Unterdrückung befreien. Zusätzlich bemüht sich die NGO um Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik für ein Thema, bei dem so viele lieber wegschauen. Sklaverei betrifft besonders häufig die schwächsten der Gesellschaft, Frauen und Kinder. IJM hilft durch ihre Aktionen auch, ihnen wieder ein Gesicht und eine Stimme zu geben und sie so als einzelne Menschen statt als anonyme Masse zu behandeln.

 

Ausbeutung und Sklaverei in der Textilindustrie

Als Fair Fashion Unternehmen interessieren wir uns natürlich besonders für die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Laut des Global Slavery Index der Walk Free Foundation von 2018 belegt die Textilindustrie weltweit den unrühmlichen zweiten Platz, wenn es um Sklaverei geht. Sklaverei findet meistens in repressiven Regimen und Konfliktregionen statt. Ihre Produkte jedoch werden in großem Umfang in die G20-Staaten importiert und landen über intransparente Lieferketten auch in unseren Fußgängerzonen und Kleiderschränken. Kambodscha beispielsweise, der 2015-2017 viertgrößte Anbieter von Bekleidung in der EU, steht weltweit auf Platz 9 der Länder mit der höchsten Tendenz zu moderner Sklaverei. Textilarbeiter*innen begeben sich auch mangels Alternativen und aus extremer Armut in solche Arbeitsverhältnisse. Sie werden zudem häufig mit Gewalt in unsichere Gebäude gezwungen und zum Teil eingesperrt. So kommen bei Unglücken, Fabrikbränden oder Hauseinstürzen wie in Rana Plaza 2013 viele Menschen zu Tode. Dies sind aber nur Schlaglichter in der alltäglichen, andauernden Ausbeutung, die die Menschen erleben.

moderne sklaverei
Importe von Sklaverei-Produkten nach Deutschland (2018). Quelle: Global Slavery Index. Zur Großansicht klicken.

Was kann ich gegen moderne Sklaverei tun?

Indem Du Dich dafür entscheidest, Produkte mit einer transparenten Lieferkette und garantiert fairen Arbeitsbedingungen zu konsumieren, hilfst Du, moderne Sklaverei nicht weiter zu unterstützen. Achte dabei bei Kleidung auf Label wie GOTS oder Fair Wear Foundation. Bei Lebensmitteln gibt es zB Siegel von Fairtrade oder GEPA. Für andere Konsumgüter gibt es kaum Label. Abgesehen von persönlichem Konsumverhalten ist vor allem die Unterstützung von NGOs, die sich gegen Zwangsarbeit, Menschenhandel und Sklaverei einsetzen, entscheidend für echten Wandel. Die Ursprünge moderner Sklaverei sind extreme Armut und Rechtlosigkeit der betroffenen Personen. Erst wenn diese angegangen werden, kann sich wirklich etwas ändern.

 

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